Warum Sparen in Zeiten der Inflation gefährlich ist

Warum Sparen in Zeiten der Inflation gefährlich ist
Photo by Willfried Wende / Unsplash

und weshalb Schulden kein moralisches Versagen, sondern ein ökonomisches Werkzeug sein können

Viele der finanziellen Glaubenssätze, mit denen wir in Deutschland aufgewachsen sind, stammen aus einer Welt, die es so nicht mehr gibt.

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“
„Schulden sind schlecht.“
„Wer spart, ist tugendhaft.“

Diese Regeln waren sinnvoll – in einem System stabiler Währungen, positiver Realzinsen und überschaubarer Staatsverschuldung.
Doch dieses System existiert nicht mehr.

Wir leben heute in einer Phase struktureller Inflation und finanzieller Repression. Wer das ignoriert, riskiert nicht nur Renditeverluste, sondern realen Wohlstandsabbau.


Inflation ist kein Preisanstieg – Inflation ist Wertverlust

Inflation wird oft verharmlost: höhere Preise im Supermarkt, steigende Mieten, teurere Energie.
Das sind Symptome, nicht die Ursache.

Inflation bedeutet: Geld verliert Kaufkraft.

Nicht punktuell, sondern systematisch.

Der entscheidende Punkt wird häufig übersehen:
Kaufkraft verschwindet nicht – sie wird umverteilt.

Und zwar:

  • vom Gläubiger zum Schuldner
  • vom Sparer zum Investor
  • von nominalen Forderungen zu realen Vermögenswerten

Das ist kein Unfall. Das ist die Logik eines überschuldeten Systems.


Der entscheidende Begriff: der Realzins

Die wichtigste Formel in diesem Umfeld lautet:

Realzins = Nominalzins – Inflation

Nicht der Zins allein entscheidet, sondern das, was nach Inflation übrig bleibt.

Beispiel:

  • Nominalzins: 4 %
  • Inflation (realwirtschaftlich): 5–6 %

Ergebnis: negativer Realzins.

Das bedeutet: Die reale Schuldenlast schrumpft schneller, als sie verzinst wird.


Warum Schulden in inflationären Systemen entwertet werden

Ein Kredit ist eine nominale Verpflichtung.
Inflation wirkt auf reale Werte – nicht auf Zahlen im Vertrag.

Wer sich Geld leiht und damit:

  • Immobilien
  • produktive Unternehmen
  • reale Cashflows

kontrolliert, profitiert doppelt:

  1. Sachwerte steigen mit Inflation
  2. die reale Schuldenlast sinkt

Der Sparer erlebt das Gegenteil:

  • gleiche Nominalsumme
  • sinkende Kaufkraft
  • schleichende Enteignung

Gute Schulden vs. schlechte Schulden

Nicht jede Verschuldung ist sinnvoll. Der Unterschied ist fundamental.

Schlechte Schulden (Vermögensvernichtung)

  • Konsumkredite
  • Dispokredite
  • Finanzierung abschreibender Güter

Hier wirken:

  • hohe Zinsen
  • Wertverlust des Gegenstands

Ergebnis: negativer Hebel.

Gute Schulden (Vermögensaufbau)

  • Finanzierung von Sachwerten
  • Investitionen mit Cashflow
  • produktive Hebel

Hier wirkt:

  • Inflation auf den Vermögenswert
  • Fixierung der Schulden

Ergebnis: positiver Hebel.


Der steuerliche Hebel in Deutschland

Ein oft unterschätzter Punkt: Der Staat beteiligt sich aktiv an Investitionsschulden.

Bei vermieteten Immobilien:

  • Zinsen sind steuerlich absetzbar
  • Abschreibungen reduzieren die Steuerlast
  • reale Zinskosten sinken deutlich

In Kombination mit Inflation entsteht ein Umfeld, in dem:

  • Mieter
  • Steuerersparnisse
  • reale Geldentwertung

gemeinsam die Schulden tragen.

Das ist kein Schlupfloch – es ist politisch gewollt.


Warum Staaten Inflation brauchen

Staaten mit hohen Schulden haben nur drei Optionen:

  1. Sparen und massiv besteuern (politisch kaum durchsetzbar)
  2. Staatsbankrott (systemischer Bruch)
  3. finanzielle Repression

Finanzielle Repression bedeutet:

  • Zinsen unter Inflationsrate halten
  • reale Entwertung von Schulden
  • stille Umverteilung

Für den Einzelnen heißt das: Bargeld ist Risiko.
Nominale Forderungen sind Risiko.
Reale Vermögenswerte sind Schutz.


Und was ist mit Krisen?

Historisch gilt:

  • Geldvermögen sind in Systemkrisen besonders gefährdet
  • Sachwerte überleben Währungswechsel
  • Schulden werden real entwertet

Natürlich:

  • Schulden erfordern Liquidität
  • Hebel ohne Puffer ist gefährlich

Aber reines Sparen ist heute keine defensive Strategie mehr – es ist ein schleichender Verlust.


Fazit: Identitätswechsel statt Produktentscheidung

Es geht nicht darum, mehr Schulden zu machen.
Es geht darum, die Rolle zu wechseln.

Nicht Sparer.
Investor.

Geld ist kein Ziel.
Geld ist ein Werkzeug.

Wer das ignoriert, spart sich womöglich arm.


Hinweis:
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er beschreibt strukturelle Zusammenhänge eines inflationären Systems. Jede Investitionsentscheidung erfordert eigenes Wissen, Risikobewusstsein und individuelle Prüfung.